Stefan wird diesen Abend so schnell nicht vergessen, und ich werde meinem Schicksal ein Dankschreiben schicken. Es hat mich bewahrt: Vor dem Fluch von Reihe eins. Stefan ist im wirklichen Leben irgendwas mit Finanzen. Ich überlege mir, ob ich nicht den Beruf wechseln sollte, aber: Was soll ich machen — ich habe doch nur Mann gelernt. Und das seit 46 Jahren. So viel ist sicher: Als Frau wäre ich doch erst Recht eine Zumutung. Also Ohren auf und durch.
Merke: Ist Kwien Bih (Queen Bee) in der Stadt, sollten wir Männer Vorsicht walten lassen. Wenn Frauchen zum Gassi-Gehen ins Konzert einlädt, lieber eine gute Ausrede im Gepäck haben, oder aber: Das dicke Fell überstreifen, bevor’s los geht.
Andreas hatte mich noch gewarnt. Vor wurde er von frau mitgenommen zu Kwien Bih. Anschließend gefragt, wie es denn war, trat verräterische Stille ein. Mann vergisst. Dann Kwien Bih im Fernsehen erlebt: Fantastisch. Da muss Mann einfach hin. (Die hatten wohl die fiesen Sachen rausgeschnitten).
Die beiden nordischen Damentörtchen sind bei der Ladies Night in Moyland zu sehen und hören. Kultureller Tisch nach Zweigangmenü (Kullerteller) nebst Leckerlis: Nachtisch eben, oder: Verdauungskultur. Haltstopp. Ist Männerfeindlichkeit denn Kultur? Antwort: Jawollja. Wenn’s von den Königinnen kommt, dann ganz bestimmt, denn was die beiden zwischen Couplet und Melkwitz, Blues und Polka und von Männerwitz zu Männerwitz auf der Bühne abfackeln, muss (das sei neidlos aber schmerzvoll anerkannt) mit dem Prädikat besonders edel (und auch besonders wahr) versehen werden.
Eine Frage taucht auch: Sind das nun Männerwitze oder Frauenwitze, was Dick und Frech da zündeln? Das wird zu klären sein.
Zurück zu Stefan und dem Fluch von Reihe eins: Da geht Mann mirnixdirnix ins Konzert und setzt sich ("Da hörße gut — da siehße gut!") in die erste Reihe ... und dann das: Stefan als herrlicher Brandbeschleuniger für zwei extrem gefährliche-humoristische Molotowcocktails.
Stefan muss bösbittere Fragen annehmen. ("Putzt du denn auch schon mal das Klo?") Stefans Glatze glänzt. Und die Luft bleibt ihm weg. Aus die Maus. Mitleiden bei den herrlichen Kollegen. Und: Heimliche Freude, "dass die sich den Stefan greifen und nicht ..."
Oder war das etwa abgesprochen? Mit Stefans Frau? Vielleicht schreiben Ehefrauen vor einem Konzert einen Wunschzettel an die Kwien. Dann wird unter notarieller Aufsicht gezogen, und die Gewinnerin darf mit dem Ihren in die erste Reihe: Zur öffentlichen Abreibung.
Sehen wir es positiv: Worüber sollten die Mädels denn lachen, wenn nicht über uns. Das ist doch auch mal was. Und wenn zwei Damen die Aufforderung zum Selbstmord („Spring doch einfach vom Balkon, ob in Braunschweig oder in Bonn“) an den Mann und schlechthin in derart geniales Liedwerk bringen, dann bleibt doch immerhin eines: Sollen die Frauen den Text einstecken — wir nehmen die Musik, denn: Die vom Feinsten ist, eh: Weil: Die ist vom Feinsten.
Im Ernst: Häufig gilt es ja beim Kabarett, sich mit Oropax über die Musikbeiträge hinwegzutrösten, weil viele gut mit den Worten sind, aber schlecht mit den Tönen. Nichts dergleichen gilt für die nordischen Königinnen. Was da an Musik (Blues oder Polka, Schlager oder Chanson) von der Bühne kommt, ist vom Allerallerfeinsten — Musik vom Scheitel bis zur Sohle, von den Tasten bis zum Sostenuto-Pedal, vom Haaransatz bis zum Stöckelschuh und vom Häkelkleid bis zum Bürostuhl, denn auf letzterem verrichtet Edde Schnittgard ihre sensationelle Klaviertätigkeit. Wir lernen: Am Ende zählt nicht die Zahl der Anschläge pro Minute, sondern das „Fieling“ und die musikalische Wandlungsfähigkeit. (Note: Mindestens sehr gut!)
Und wenn Mann über die Texte schreibt, ist Mann halt voreingenommen, obwohl: Die beiden scheinen über einen professionell geschärften Blick zu verfügen. Und wenn sie dann (das muss ja auch mal sein) über die herrliche Welt ablästern, dann wird der Saal (und der war in Moyland pickepackevoll) ganz schnell zum Hexenkessel im wahrsten Sinne des Wortes. Da sollte Mann schön mitlachen und sich ansonsten ruhig und angepasst verhalten, sonst droht am Ende die Strafversetzung: nach Reihe eins.
Man gönnt uns ja sonst nix.